„Wir haben Grund anzunehmen, dass im Lager Verbrechen begangen wurden…“

Zu meinem Geburtstag bekam ich gleich mehrfach Gutscheine für die Yorck-Kinogruppe – einer der Gründe, warum es mich im Moment oft ins Kino zieht.

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Heute ging es in den Film „Im Labyrinth des Schweigens“. Der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ von Guilio Ricciarelli spielt im Deutschland des Jahres 1958. Während Deutschland sich selbst und das Wirtschaftswunder mit Petticoat, Käseigel und Rock’n’Roll feiert und die dunklen Seiten seiner Vergangenheit zu verdrängen versucht, erfährt der idealistisch eingestellte Jungstaatsanwalt Radmann (brilliant verkörpert von Alexander Fehling, der schon rein optisch wunderbar in diese Zeit passt – zumindest für meinen Geschmack) von einem Lehrer, der zu NS-Zeiten als Wärter im Konzentrationslager gedient haben soll, aber nun unbehelligt an einer Schule arbeitet.  Radmann möchte diesen Gerüchten nachgehen und aufklären, getrieben von dem Wunsch, dem inneren Drang, die Wahrheit aufzudecken. Aber man lässt ihn auflaufen. Er stößt auf eine Mauer des Schweigens. Ohne es selbst so richtig zu realisieren, wird Radmann mehr und mehr in den Strudel aus Lügen, aus Schuld und aus Vertuschung hineingezogen, so dass auch sein Privatleben  immens unter seinen Nachforschungen leidet, er fast daran zerbricht: Er beginnt zu trinken, um die schlimmen Dinge, die er tagtäglich hören muss, zu ertragen, und  kränkt seine Freundin zutiefst.  Er  ist kurz davor, zugrunde zu gehen, und rettet sich vermeintlich damit, seine Stelle an den Nagel zu hängen und eine Karriere in einer Kanzlei zu starten. Als er feststellen muss, mit wem er dort kooperieren müsste, besinnt er sich jedoch auf seine Ideale und kehrt zurück. Seine Bemühungen haben letztendlich Erfolg:  Er bringt die Auschwitzprozesse in Gang.

Der Film vermittelt in überzeugenden, farblich gedeckt gehaltenen Bildern die Stimmung, die in den 50er Jahren in Deutschland herrschte: Es geht aufwärts, es geht uns wieder gut. Was war, muss vergessen werden. Unter den Tisch kehren, abhaken, nach vorne schauen, Schuld verdrängen – vielleicht auch um weiterleben zu können bzw. miteinander weiterleben zu können. Verdrängung ist  ein altes Phänomen, das genau dann einsetzt, wenn der Schmerz oder die Schuld so groß sind, dass man nicht mehr damit umgehen kann, nicht mehr damit klarkommt. „Im Labyrinth des Schweigens“ führt dem Publikum beklemmend vor Augen, wie wichtig es ist, dass man die Verbrechen des NS-Regimes niemals vergessen oder  auch nur relativieren darf, damit unser aller Gewissen ein solches System auch in Zukunft nie mehr zulässt.

Es ist ein Film, der wachrüttelt. Ein Film, der an die Substanz geht. Ein Film, der den Zuschauer im Nachgang nicht loslässt. Wie hätte ich selbst gehandelt, wenn ich im Dritten Reich gelebt hätte?

Ansehen.

 

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