„The Cut“ von Fatih Akin

Der Film „The Cut“ von Fatih Akin beschäftigt sich mit dem Massaker an den Armeniern und zeigt die Familiengeschichte des einfachen und sympathischen Schmieds Nazaret, der im Laufe der Wirren seine Frau und seine Töchter aus den Augen verliert. Jahre später erfährt er (inzwischen im syrischen Aleppo angekommen und von einem arabischen Seifenproduzenten, der sich vieler Armenier annimmt, gerettet), dass seine geliebten Töchter noch leben. Voller Sorge um sie macht er sich auf eine odysseehafte Reise um die Welt, um die Mädchen zu finden. Die Reise führt ihn sogar nach Kuba und in die USA.

Der Film ist ein typischer Akin – schonungslos hart, aber dennoch sehr liebevoll gestaltet. Die unheimlich schonungslosen Szenen umfassen unter anderem das Aufschlitzen der Kehlen der Armenier, infolgedessen Nazaret seine Stimme verliert, Vergewaltigungen und das langsame, grausame Sterben der Armenier in einem Camp. Nazaret erträgt hier kaum das Leiden seiner sterbenden Schwägerin, die er hier wiederfindet. Entsprechend handelt er und entspricht ihrem Wunsch nach Erlösung. Ich musste regelmäßig wegschauen.

Die schönen Momente sind die Freude und Gedankenverlorenheit der geschundenen Kreaturen beim Sehen eines Chaplin-Films, das Zusammentreffen Nazarets mit hilfsbereiten Menschen, die versuchen, ihn bei seiner Suche nach den Töchtern nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen, sowie das Wiedersehen mit einer seiner beiden Töchtern.

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Man mag sich darüber streiten, ob der Film zuwenig politische Elemente enthält, sondern nur in der einen oder anderen Hinsicht beeindruckende Bilder. Akin konzentrierte sich auf eine persönliche Geschichte, nicht auf die Politik, das große Ganze. Der Völkermord in seinen systematisch grausamen Zügen wird außen vor gelassen. Vielleicht ist das der Preis dafür, wenn man einen Film über ein solch brisantes Thema drehen möchte. Dennoch: Das persönliche Schicksal des Schmieds Nazaret, mit dem man sofort mitfühlt, weil er ein bisschen schutzbedürftig und naiv durch die Welt stolpert, geht einem so nah, dass Akin auf jeden Fall erfolgreich die Massaker an den Armeniern in die Gedanken der Zuschauer pflanzt und dort verankert, Verdrängung nicht möglich.

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