Leaving the comfort zone #1: Verpackung ist so 90er…

Vor ein paar Monaten eröffnete in Berlin-Kreuzberg ein neuer Supermarkt.

Aha. Toll, spannend. Total innovativ, werdet Ihr gähnend sagen.

Aber: Dieser Supermarkt ist wirklich etwas Neues und hat ein sehr interessantes Konzept. Aus Zeitgründen habe ich es leider erst jetzt geschafft, mir den Laden auch einmal persönlich anzuschauen – ich kannte ihn bisher  nur aus den Medien, obwohl er sich ganz in meiner Nähe befindet. Nun kam ich endlich auch einmal dazu vorbeizugucken.

Was unterscheidet nun diesen Supermarkt von anderen? Der Name „Original Unverpackt“ gibt den ersten Hinweis. Die Produkte sind im Gegensatz zu denen in konventionellen Supermärkten nicht verpackt: Nicht einfach, nicht zweifach, nein, sondern gar nicht. Der Kunde bringt einfach Tupperdosen oder ähnliches mit, um die erstandenen Waren nach Hause zu transportieren – hat man nicht genügend Behälter, kann man diese leihen.

Das Konzept ist prima, hat allerdings ein paar Mankos, die mit unseren Ansprüchen und Gewohnheiten zusammenhängen: Erstens ist die Produktauswahl insgesamt begrenzt, zweitens sind die Preise in den meisten Fällen ein wenig höher als „normal“ und drittens die Frage der Hygiene… Für mich sind diese Punkte jedoch eher nicht so ausschlaggebend – im Gegenteil, ich finde die Idee absolut unterstützungswürdig. Brauchen wir wirklich immer x Optionen des gleichen Produkts? Ist es notwendig, dass Lebensmittel derart preiswert sind, wie wir es von Discountern gewohnt sind? Hygiene, ok, das ist eine andere Sache, aber ich denke, dass sich auch hier langfristig  eine Lösung finden wird.

Ich glaube, dass sich gerade im (ja doch noch) alternativeren  Berlin-Kreuzberg eine Zielgruppe finden lässt, die groß genug ist, dass der Laden nicht nur überleben, sondern durchaus expandieren kann. Ich finde das Konzept aufregend und drücke den Gründerinnen alle mir zur Verfügung stehenden Daumen. Wem (wie mir) die Berge an Verpackungsmüll schon immer ein Dorn im Auge waren, wird begeistert sein.

Wir werden zwar nicht mehr zurückkehren in ein Zeitalter der Milchkannen und der Tante-Emma-Läden… Auch, weil wir dann auf viele unserer geliebten Convenience-Produkte verzichten müssten – und seien es nur die TK-Pizza und Aufbackbrötchen…  Aber ein solcher Supermarkt kann ein erster Schritt sein, ein bisschen weniger Müll zu produzieren.

Auf in die Wiener Straße nach Berlin-Kreuzberg!

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5 Antworten zu Leaving the comfort zone #1: Verpackung ist so 90er…

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  2. yasmin aksu schreibt:

    Wow, das klingt toll! Obwohl ich ja schon etwas erstaunt bin: Die Preise sind HÖHER, obwohl die Verpackung fehlt…? Und was hast du gekauft?🙂

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  3. karla schreibt:

    hallo anita, ich hab auf der zugfahrt von berlin nach göttingen am 1.11. in der bahnzeitung (die ich IMMER durchblättere, und wo ich IMMER irgendwas finde) eine winzige notiz über den laden mit foto der beiden gründerinnen entdeckt und beschlossen, bei meinem nächsten besuch dort vorbei zu gehen. bei mir entstand sofort die frage, ob das denn aus hygienischen (vorschrifts-) gründen überhaupt zugelassen wird??? und der geruch unseres einstigen tante-emma-ladens („samenhandlung kapp“ stand auf dem schild über der tür) hier im dorf, wo mehl und reis in dicken baumwollsäcken stand, der stieg mir in die nase. unvergleichlich, dieser weizen- und körnergeruch. die dicke frau kapp, die dort damals arbeitete, schüttete alles in steife, braune papiertüten, die sehr widerspenstig beim zukneifen/-falten waren.
    und sie hatte eine waage mit gewichten. aber im „original unverpackt“-laden gibt es sicher diese computerwaagen. und nix mehr mit papiertüten, ne! wobei – der geruch, der müsste ähnlich sein wie ich ihn in erinnerung habe.

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    • travelbug schreibt:

      liebe karla,

      mach das, geh auf jeden fall mal da vorbei! zum thema „hygiene“: das ist für den laden wirklich noch ein problem: fleischprodukte beispielsweise dürfen nicht in eigene mitgebrachte behälter gepackt werden. da gerät das konzept an seine grenzen.
      was mich ein ganz kleines bisschen gestört hat, war, dass der käufer selbst (nicht der mitarbeiter) die waren in seine döschen füllt. andererseits ist das bei konventionellen supermärkten ja auch der fall… insgesamt finde ich die idee einfach toll. ich drehe immer halb durch, wenn ich sehe, wieviel abfall man jeden tag produziert.

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