„O Captain! My Captain!“

Ich bin traurig.

Wieder ist ein Großer gegangen. Wieder durch Selbstmord – oder sollte ich es lieber Freitod nennen… Er hat sich aktiv entschieden, diese Welt zu verlassen – die Polizei schließt inzwischen Fremdverschulden aus. Schwere Depressionen, Alkohol, Kokain – es scheint viele Gründe, natürlich auch auf dramatische Art miteinander verwoben, für diesen finalen Entschluss zu geben. Gestern Morgen im Radio habe ich es gehört. Vor der Arbeit. Der erste Schock des Tages.

Robin Williams.

Dieser Name ist für mich als Kind der 80er und 90er Jahre eng verknüpft mit dem Film „Dead Poets Society“, der einer der ersten „Erwachsenen-Filme“ war, die ich wirklich bewusst gesehen habe (abgesehen vom Bud-Spencer- und Terence-Hill-Klamauk). Für mich war er damals eine Art „Erweckungsfilm“, was meine Liebe zur Literatur betraf, und hatte daher weitreichende positive Folgen für mich.

Williams war ein Garant für herausragende Filme und auch dafür, das Kino mit einem Lächeln zu verlassen – sei es, weil er einem schlicht zu guter Laune und zu neuer Energie verhalf. Oder auch, weil er dem Zuschauer eine gewisse Zuversicht in sich selbst, in die eigenen Fähigkeiten und in die Zukunft vermittelte.

Zuversicht. Das ist das Stichwort. Genau diese fehlte ihm selbst aber wohl seit langem.

Nach außen lächelte er, erledigte seinen Job, der für ihn mehr Berufung als Beruf war, stets genial und auf unvergleichliche Weise – auch weil er wirklich mit überragenden Talenten ausgestattet war. Man verzeih mir, dass ich fast das Wort „outstanding“ geschrieben hätte, aber der englische Begriff benennt das, was Robin Williams an Begabung innehatte, noch am besten.

Nach innen jedoch war er einsam, allein, ohne Hoffnung. Wohl war es in Filmkreisen auch bekannt, dass Williams arge Probleme hatte. Aber explizit verhindert wurde nicht, dass das Drama seines Lebens einen irreversiblen Höhepunkt nahm.

„Dead Poets Society“, „Mrs Doubtfire“, „Good Will Hunting“ (hier erhielt er einen Oscar für die beste Nebenrolle), um nur einige der Werke zu nennen, in denen er entscheidend mitwirkte.

„O Captain! My Captain“ – dieser Ausruf aus „Dead Poets Society“ ist hängengeblieben in meinem kleinen Kopf, seit ich den Film vor mehr als 20 Jahren das erste Mal sah. Der Captain hat das Schiff verlassen. Ich werde mir den Film zeitnah noch einmal ansehen, um nicht zu vergessen.

Barack Obama sagte gestern zum Tode von Robin Williams: „He made us laugh. He made us cry.“ (Quelle: http://www.whitehouse.gov/blog/2014/08/11/president-obama-passing-robin-williams-he-was-one-kind)

Ich kann gerade nicht in Worte fassen, was ich fühle.

Ich bin traurig.

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelle Ereignisse, Film, Gedanken..., Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu „O Captain! My Captain!“

  1. Pingback: HERZLICH WILLKOMMEN… | AnitaBaronLine

  2. Pingback: Zum Tode von Robin Williams | AnitaBaronLine

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s