„Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin… Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin“

Berlin-Filme haben ja derzeit Hochkonjunktur. Nach dem „Oh boy“-Hype der letzten Wochen (darüber werde ich später auch noch berichten) nun also „Puppe, Icke und der Dicke“. Ein durchaus kreativer Titel – spiegelt sich das auch im Film wieder?

Noch wenige Stunden vor dem Kinobesuch hatte ich nichts, aber auch rein gar nichts, von diesem Streifen gehört, bis eine Freundin den Film vorschlug. Da ich ja experimentierfreudig bin, habe ich ihn mir natürlich angeschaut und zwar im Sputnik-Kino über den Dächern von Berlin-Kreuzberg, einem der leider aussterbenden Independent-Kinos.

Im Mittelpunkt der Story stehen drei Personen – jede einzelne auf ihre Art mit einem Handicap belastet, das jeder von ihnen auf eine unterschiedliche Art zu bewältigen versucht. Der kleinwüchsige Tobi besticht durch seine große Schnauze, der stumme Bruno durch seine Gutmütigkeit und die blinde Europe durch unglaublichen Charme. Ihre Wege kreuzen sich und sie machen sich gemeinsam in Richtung Berlin auf. „Du kannst nüscht. Du machst nüscht. Fahr nach Berlin!“ – so sieht der Urberliner Tobi die Situation. Die blinde Französin Europe trägt noch ein weiteres Päckchen mit sich: Sie ist schwanger, der Vater des Kindes ist ein Berliner. Das einzige, was sie vom Kindsvater weiß, ist sein Name (den es in Berlin allerdings wie Sand am Meer gibt) sowie sein Job. Sie will ihn finden und der Trostlosigkeit ihres bisherigen Lebens entfliehen.
Ein interessanter Film, ein wenig anders als alles, was man bisher kennt, aber durchaus empfehlenswert – eine skurrile Geschichte, die sich als Liebeserklärung an Berlin lesen lässt, sofern man dies denn möchte.

Wie wir ja auch im Film „Oh boy“ gelernt haben, ist der Berliner als solcher eine Person, die man gemeinhin auch als Loser bezeichnen könnte. Zumindest ist das der Eindruck, den der Zuschauer bei diesen beiden Filmen bekommt. Nun gut. Ich lebe seit fast 10 Jahren im dicken B, fühle demnach als Berliner (auch wenn ich per definitionem noch lange keiner bin), kann aber durchaus nachempfinden und sehen, dass in Berlin unter anderem auch Personen ihr Dasein fristen, die woanders längst durch das Normalitätssieb gerutscht sind oder wären… Aber ist das nicht das Schöne an dieser Stadt? Dass auch Menschen eine Daseinsberechtigung haben, die ihnen in anderen Teilen der Republik vielleicht schon längst abgesprochen worden wäre? In Berlin kann jeder sein, wie er will oder eben ist – außer einem Achselzucken (und manchmal auch einem deftigen Spruch, der aber meist nicht so hart gemeint ist, wie er klingt) wird nicht viel passieren. Leben und leben lassen.

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