11. September zum zehnten… Ein paar Gedanken…

Morgen jährt sich der Jahrestag der Attentate vom 11. September 2001 zum zehnten Male. Wer erinnert sich nicht noch an den Moment, in dem George W. Bush während des Besuchs in einer Grundschule in Florida von den Anschlägen erfuhr?
Nach den Anschlägen prophezeiten (oder sollte man sagen: „versprachen“?) uns die Vereinigten Staaten, dass „nichts mehr so sein wird wie zuvor“. Hat sich dieses bewahrheitet? Ist die Welt heute wirklich eine andere als vor den Anschlägen?

Nach den Attentaten folgten die von den USA, gerne auch als „Weltpolizei“ bezeichnet, angeführten Kriege in Afghanistan und später im Irak, weitere Anschläge beispielweise in London und Madrid sowie jede Menge Maßnahmen zur Terrorbekämpfung und Sicherheitsvorkehrungen, die man teilweise noch heute bei jedem Flug durchlaufen darf. George W. Bush wurde zu einer Art Kriegspräsident und schuf eine unglaubliche Schuldenlast, mit der in den USA heute mehr denn je gekämpft wird.

Worte und Namen von Regionen fanden den Weg in unseren täglichen Sprachgebrauch, mit denen man sich vorher nie beschäftigt hatte: „Hindukusch“, „Kandahar“, „Dschalalabad“, „Schläfer“, „Taliban“, „Loya Dschirga“, „Koalition der Willigen“, „Vorratsdatenspeicherung“, „Anti-Terror-Koalition“, „Hamburger Terrorzelle“ und „Gefahrenabwehr“ waren auf einmal neben vielen weiteren häufig gehörte Begriffe. Nicht zu vergessen aus unterschiedlichen Gründen allgegenwärtige Personen wie Peter Scholl-Latour, Donald Rumsfeld, Hamid Karsai, Ziad Jarrah, Mohammed Atta, Ramzi Binalshibh, Mounir al Mottasadeq oder gar der erst kürzlich verstorbene Osama Bin Laden…
Kurz nach den Anschlägen gab es auch schon (möchte man es böse formulieren) eine Art Soundtrack zum 11. September – angeführt vom Song „Only Time“ von Enya, den man wohl niemals mehr hören kann, ohne an den 11. September erinnert zu werden…

Ein Thema, das in Deutschland lange sehr stark diskutiert wurde, war eine mögliche Teilnahme am Krieg in Afghanistan… Auf der einen Seite wurde uns eingeschärft: „Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt“ (Struck im Jahr 2004). Auf der anderen Seite aber: Sollte die Teilnahme Deutschlands an einem Krieg mit Blick auf die deutsche Geschichte überhaupt möglich sein, das war die große Frage, die Deutschland und seinem Gewissen lange Zeit keine Ruhe ließ.
In diesem Zusammenhang wurde der Begriff „altes Europa“ vom damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geprägt: „You’re thinking of Europe as Germany and France. I don’t. I think that’s old Europe“ (Donald Rumsfeld am 22. Januar 2003). Der Begriff „altes Europa“ wurde im Jahr 2003 sogar Wort des Jahres in Deutschland.

Nachdem die Grenzen zwischen Ost- und Westblock am Anfang des Jahrtausends mehr oder weniger verwischt waren, bildeten sich nun in der Zeit nach den Anschlägen neue Blöcke: Die Koalition rund um die USA auf der einen Seite, die arabischen Staaten auf der anderen Seite.
Für arabische Staatsbürger wurde das Leben auch in Deutschland nicht gerade angenehmer, wurden sie doch auf einmal mit sehr viel Argwohn angestarrt und a priori für gefährliche Islamisten gehalten. Schon Personen, die sich in der U-Bahn in arabischer Sprache unterhielten, wurden mit skeptischen Blicken beäugt – sie könnten ja schließlich Terroristen sein und intendieren, die U-Bahn in die Luft zu jagen…
Ein weiteres Beispiel aus meinem direkten Umfeld: In den ersten Jahren nach den Attentaten lief ich privat mehrfach mit einem Syrer die Oranienburger Straße in Berlin-Mitte entlang (einzig mit der Absicht, Cocktails trinken zu gehen). Die die Synagoge in der Oranienburger Straße bewachenden Polizisten hingehen befürchteten etwas anderes und ließen dieses uns (inklusive meiner Wenigkeit) heftig spüren.

Was hat sich sonst seit den Anschlägen geändert?
Nun, das Sicherheitsempfinden vieler Menschen wurde in seinen Grundfesten erschüttert – zeitweise konnte man jeden Moment davon ausgehen, dass ein weiteres Attentat folgt. Die Politik und das teils martialische Auftreten der Polizei taten ihr Übriges, um dieses Unsicherheitsgefühl zu fördern.

Nach und nach gewöhnte man sich an diese Lage und mit der Zeit schlich sich auch ein gewisser Trotz ein, sich das Leben nicht verderben lassen zu wollen, sowie auch Skepsis gegenüber der Politik, ob diese die unsichere Situation nicht zu ihrem Zwecke, sprich zur Durchsetzung ihnen genehmer Gesetze und Kriege, nutzen wollen würde…
Auf diese Weise normalisierte sich das Leben innerhalb gewisser Einschränkungen (Flüssigkeitsbeschränkung im Handgepäck bei Flügen, intensivierte Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Dauerbewachung von jüdischen Einrichtungen und Botschaften unterschiedlicher Nationen etc.), das Unsicherheitsgefühl blieb allerdings bestehen, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau als direkt nach den Anschlägen. Das Leben ging weiter – war aber durchaus „anders“ als zuvor.

Der 11. September 2001 hat sich sicherlich bei allen tief ins Gedächtnis eingefräst und jeder weiß heute noch wie damals, wie und wo er an jenem Tag von den Anschlägen erfuhr… Die brennenden Türme und ihr Zusammenbruch sowie die Menschen, die aus den Wolkenkratzern sprangen, lassen sich nicht aus der Erinnerung löschen…

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