Entschädigung für einen Mörder

Heute fiel das Urteil im Prozess des Herren Magnus Gäfgen gegen das Land Hessen.

Zur Erinnerung:
Nachdem Magnus Gäfgen im Jahr 2002 ein Kind gekidnappt hatte, ließ sich damals ein Polizist im Verhör mit der Intention, den aktuellen Aufenthaltsort des entführten Kindes herauszufinden und es eventuell auf diese Weise noch retten zu können, zur Androhung von Folter hinreißen. Und die Betonung liegt hierbei auf „Androhung“ – ausgeführt wurde sie wohl nicht. Hier steht Aussage gegen Aussage… Später kam heraus, dass Gäfgen das Kind zu dem Zeitpunkt längst getötet hatte.

Gäfgen hatte auf 10.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz geklagt. Schmerzensgeld erhält er laut Urteil zwar nicht, aber für die Androhung von Folter bekommt der Mörder nun – und das muss man sich wirklich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen – 3.000 € Entschädigung, da seine Menschenwürde verletzt worden sei.

Für den gesunden Menschenverstand ist die Tatsache, dass ein Mörder überhaupt Geld erhalten soll, schwer zu verkraften.

Unmenschlich erscheint es auf den ersten Blick, dieses Urteil, das da heute gesprochen wurde. Zynisch bei näherem Nachdenken. Moralisch richtig und der Rechtsstaatlichkeit entsprechend ist es aber: Will man besser sein als ein Mörder, so muss man ihm auch die Rechte vor Augen führen, die er selbst gebrochen hat. Der Staat wird hier im Grunde nur seiner Vorbildfunktion gerecht, selbst wenn es schmerzt. Auch ein Mörder hat seine Menschenrechte nicht verwirkt, sondern muss weiterhin als Mensch behandelt werden.

Dennoch ist es absurd, wenn man sich auf genau die Rechte und Werte beruft, die man anderen nicht zugesteht, wie z.B. Magnus Gäfgen dem Bankierssohn das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit.

Und abgesehen davon: Welche Auswirkung hat dieses Urteil auf zukünftige Morde, die nachfolgenden Verhöre und Prozesse?

Wie man es dreht und wendet: Wahrscheinlich ist das Urteil durchaus korrekt im Sinne der Rechtsstaatlichkeit, aber dennoch hinterlässt es einen faden Beigeschmack und es ist schwer nachvollziehbar, wenn ein Mörder eine Entschädigung erhält.

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Eine Antwort zu Entschädigung für einen Mörder

  1. Clemens schreibt:

    Der eigentliche Zyniker ist meiner Meinung nach der Mörder oder dessen Anwalt (wer auch immer die Idee hatte, auf Schmerzensgeld und Schadensersatz zu klagen). Mit irgendeinem Restfunken von Anstand hätte er das einfach gelassen. Die beiden Polizisten wurden ja schon bestraft.

    Schon damals wurde ja schon die Frage gestellt, was das für zukünftige Verfahren bedeutet. Ich glaube, dass es darauf keine einfache Antwort gibt… irgendwie impliziert die Frage so etwas wie „Dann kann man ja zukünftig gar keine Folter mehr androhen, ohne bestraft zu werden.“ (*) Ich habe keine Ahnung, wie Ermittlungen zu führen sind oder geführt werden, aber ich glaube, dass Ermittler das von Fall zu Fall und von Täter zu Täter unterscheiden (müssen).
    Große Auswirkungen kann ich mir nicht vorstellen. Folterandrohungen waren auch da schon verboten und die Beamten haben es trotzdem gemacht.

    Es gibt hier keinen Ausweg: entweder werden Folter und deren Androhung geächtet — dann aber ohne Ausnahme — oder eben nicht. Einen Zwischenweg kann ich mir weder vorstellen noch wünschen.

    Mir bereitet das Urteil keine Bauchschmerzen. Der Gäfgen lässt mich jedoch gerne ein Monty Python Zitat loswerden „[He makes] me wanna puke my guts up!“
    Ich bin auch überzeugt: hätte ich den Jungen persönlich gekannt, wäre ich jetzt stinksauer und es fiele mir außerordentlich schwer, dem Typen irgendwelche Rechte zuzusprechen.

    (*)Off topic: Erinnert mich übrigens an eine Aussage von Merkel anno dazumal bei der Spendenaffäre der CDU: „Wenn man die Gesetze härter macht, wird es ja schwerer, sich daran zu halten.“

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