Typisch Berlin… :-)

Ich hatte gestern Abend mal wieder ein typisches Berlin-Erlebnis… Ich hatte mich mit Freunden in Friedrichshain getroffen und bin danach mit der U-Bahnlinie 1 wieder zurück ins heimische Kreuzberg gefahren.

Ein Mann mit Gitarre stieg zu und begann, Oasis-Songs zu spielen, u.a. “Wonderwall”, ein Song, den ich in den Neunzigern zeitweise auch in der Endlosschleife gehört habe… Bis hierhin war alles noch normal, keine Auffälligkeiten.

Aber dann begann es… Zwei Passagiere fingen an mitzusingen, zwei weitere setzten ein, bis am Ende der komplette U-Bahn-Wagen leidenschaftlich “Wonderwall” schmetterte – alle mit einem glücklich-beseelten Lächeln im Gesicht (und scheinbar in musikalischen Erinnerungen schwelgend).

Und das nachts um 0:30…

“Hoch auf dem gelben Wagen” (immerhin ist die Berliner U-Bahn ja auch gelb und fährt überirdisch) mal anders! Gotthilf Fischer hätte seine wahre Freude gehabt…

P.S.: Ich muss noch hinzufügen, dass ich auf dem Weg von der U-Bahn zu mir nach Hause natürlich weiter gesungen habe…

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“Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin… Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin”

Berlin-Filme haben ja derzeit Hochkonjunktur. Nach dem “Oh boy”-Hype der letzten Wochen (darüber werde ich später auch noch berichten) nun also “Puppe, Icke und der Dicke”. Ein durchaus kreativer Titel – spiegelt sich das auch im Film wieder?

Noch wenige Stunden vor dem Kinobesuch hatte ich nichts, aber auch rein gar nichts, von diesem Streifen gehört, bis eine Freundin den Film vorschlug. Da ich ja experimentierfreudig bin, habe ich ihn mir natürlich angeschaut und zwar im Sputnik-Kino über den Dächern von Berlin-Kreuzberg, einem der leider aussterbenden Independent-Kinos.

Im Mittelpunkt der Story stehen drei Personen – jede einzelne auf ihre Art mit einem Handicap belastet, das jeder von ihnen auf eine unterschiedliche Art zu bewältigen versucht. Der kleinwüchsige Tobi besticht durch seine große Schnauze, der stumme Bruno durch seine Gutmütigkeit und die blinde Europe durch unglaublichen Charme. Ihre Wege kreuzen sich und sie machen sich gemeinsam in Richtung Berlin auf. “Du kannst nüscht. Du machst nüscht. Fahr nach Berlin!” – so sieht der Urberliner Tobi die Situation. Die blinde Französin Europe trägt noch ein weiteres Päckchen mit sich: Sie ist schwanger, der Vater des Kindes ist ein Berliner. Das einzige, was sie vom Kindsvater weiß, ist sein Name (den es in Berlin allerdings wie Sand am Meer gibt) sowie sein Job. Sie will ihn finden und der Trostlosigkeit ihres bisherigen Lebens entfliehen.
Ein interessanter Film, ein wenig anders als alles, was man bisher kennt, aber durchaus empfehlenswert – eine skurrile Geschichte, die sich als Liebeserklärung an Berlin lesen lässt, sofern man dies denn möchte.

Wie wir ja auch im Film “Oh boy” gelernt haben, ist der Berliner als solcher eine Person, die man gemeinhin auch als Loser bezeichnen könnte. Zumindest ist das der Eindruck, den der Zuschauer bei diesen beiden Filmen bekommt. Nun gut. Ich lebe seit fast 10 Jahren im dicken B, fühle demnach als Berliner (auch wenn ich per definitionem noch lange keiner bin), kann aber durchaus nachempfinden und sehen, dass in Berlin unter anderem auch Personen ihr Dasein fristen, die woanders längst durch das Normalitätssieb gerutscht sind oder wären… Aber ist das nicht das Schöne an dieser Stadt? Dass auch Menschen eine Daseinsberechtigung haben, die ihnen in anderen Teilen der Republik vielleicht schon längst abgesprochen worden wäre? In Berlin kann jeder sein, wie er will oder eben ist – außer einem Achselzucken (und manchmal auch einem deftigen Spruch, der aber meist nicht so hart gemeint ist, wie er klingt) wird nicht viel passieren. Leben und leben lassen.

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Fragen, keine Antworten, aber Verwirrung: Der Fall Breivik

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie man einen Artikel über Anders Behring Breivik sinnvoll einleiten kann… Aber ein paar Gedanken möchte ich hier loswerden.

Gestern begann er nämlich, der Prozess gegen den Mann, der im letzten Jahr 77 Menschen tötete und unzählige weitere verletzte. Und die Welt war dank (?) fleißiger Medienberichterstattung zumindest gestern live dabei. Sein martialischer, rechts angehauchter Gruß, seine Aussage, er erkenne das Gericht nicht – alles drang ungefiltert durch bis in unser Wohnzimmer. Schwer erträglich ist das feiste Grinsen dieses Massenmörders, der zwar noch nicht rechtsgültig verurteilt ist, aber seine Taten unumwunden zugibt. Wenn auch mit dem Nachsatz versehen, dass er bedauere, nicht noch mehr Menschen getötet zu haben… Unerträglich auch, dass er kaum eine Miene verzieht – nur in dem Moment, in dem sein Propagandavideo vorgeführt wird, bricht er in Tränen aus. Vor Rührung über sein eigenes Machwerk?
Sollte man ihm überhaupt eine noch größere Plattform bieten als ohnehin schon? Sollte man den Prozess nicht stattfinden lassen, ohne dass nur ein Wort über Breivik geschrieben wird? Sollte man? Oder ist das nur eine schöne Wunschvorstellung, da so eine Art der Handhabung eines Prozesses um einen Massenmörder leider nicht umsetzbar ist?

Ich weiß nicht, was ich denken soll: Ist er psychisch krank, lebt in seiner eigenen Welt und ist somit unzurechnungsfähig? Oder ist er ein eiskalter Mörder, der ganz genau weiß, was er da tat? Die akribische Planung und die Verfassung seines Manifests machen die erste Möglichkeit zumindest in den Augen von uns psychologischen Laien unwahrscheinlich.

In welchem der beiden Fälle wäre die Sicherheit der Öffentlichkeit durch die entsprechende Strafe eher gewährleistet? Und (last but not least): Was wäre für den norwegischen Staat kostenoptimal?

Was macht einen Menschen zu einem Mörder? Ist es tatsächlich die schwere Kindheit? Hat man es nicht – ungeachtet schlimmer Erfahrungen, die jeder von uns im Laufe seines Lebens sammelt – immer noch selbst in der Hand, wie man handelt? Oder gehört eine gewisse erbliche Prädisposition dazu?
Es ist die alte Debatte: Anlage oder Umwelt? Oder doch die freie Entscheidung?

Über die Höhe der Strafe scheiden sich die Geister. Einer der Laienrichter wurde heute wegen Befangenheit aus dem Prozess ausgeschlossen, da er sich im Internet für die Todesstrafe im Falle Breivik ausgesprochen hat. Ungeachtet des Faktes, dass Norwegen die Todesstrafe bereits 1902 abgeschafft hat, ist es meiner Meinung nach indiskutabel, eine solche Strafe überhaupt als Möglichkeit heranzuziehen. Damit würde man sich nur auf das Niveau begeben, auf dem der Täter gehandelt hat – und das kann und darf in einem Rechtsstaat einfach nicht der Fall sein. Auch wenn die Volksseele kocht und sich insgeheim sicherlich die meisten eine Art Hinrichtung wünschen würden, vor allem diejenigen, die Freunde oder Angehörige durch die Massaker verloren.

Nach einer solchen Tat fällt eine rein rationale Analyse schwer – zu unerklärlich sind die Gedanken, die einen Massenmörder antreiben.

Fragen über Fragen, auf die Antworten fehlen. Was bleibt, ist Verwirrung.

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„…und der daraufsaß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben, zu töten das vierte Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden…“ (Offb 6,8)

Als wir vor kurzem ein paar Tage in Barcelona verbrachten, da kamen wir natürlich nicht umhin, auch dort ins Kino zu gehen… Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für “Take Shelter”, einen Film, dessen Trailer wir in Deutschland bereits mehrfach gesehen hatten. Es handelt sich um ein US-amerikanisches Werk, eine Art Mix aus Drama und Horrorfilm – so hatten wir zumindest den Trailer verstanden.

Der Film handelt vom amerikanischen Familienvater Curtis, der seltsame apokalyptische Träume hat, die ihn dazu bewegen, einen Bunker für seine Frau und die kleine Tochter zu bauen. Da seine Mutter an Schizophrenie erkrankt ist, schließt er aber dieses als Grund für seine Träume ebenfalls nicht aus. Die Zeit vergeht, die Visionen nehmen nicht ab – am Ende kommt es, wie es kommen musste. Mehr möchte ich an dieser Stelle zum Plot nicht verraten. Denn: Wie auch schon bei anderen Rezensionen will ich auch hier keine Inhaltsangabe liefern, das lest mal lieber auf anderen Websites nach.

Vorweg möchte ich schicken, dass ich es prinzipiell gut verstehen kann, wenn man in der amerikanischen Provinz von derartigen Visionen heimgesucht wird. Viel passiert dort ja nicht – und wenn man nun eine ausgeprägte Phantasie hat und zudem zu Träumereien neigt, dann halte ich es für nicht wirklich sonderbar, dass man gedanklich auf Abwege gerät. Wer die amerikanische Provinz kennt (oder auch die deutsche) und das Vergnügen hatte, dort Zeit zu verbringen, kann dieses sicherlich nachvollziehen. Zumal dann, wenn man eine gewisse religiöse Neigung vorzuweisen hat…

Der Film spielt mit biblischer Symbolik – in Curtis‘ Visionen fallen z.B. tote Vögel vom Himmel… Im Grunde habe ich nur noch auf den Auftritt der vier apokalyptischen Reiter gewartet – dann wäre die Offenbarung des Johannes mehr oder weniger vollständig gewesen.

Die Bilder und Szenen, die uns der Film bietet, sind nicht neu – man hat sie alle schon mehrfach gesehen. Der Untergang des Abendlandes wird in genau den Farben gezeichnet und auch mit der Musik akustisch untermalt, die dem Zuschauer in eigentlich jedem Film über den Niedergang begegnen. Das Leitmotiv ist unverkennbar und begleitet uns von der ersten bis zur letzten Minute – geradezu hypnotisch.

Der Untergang der Welt? Der Untergang der USA? Die Angst hiervor wird dem Zuschauer unentwegt vor Augen geführt, wenn auch meiner Meinung nach mit Mitteln, die lediglich mit der Wiedererkennung und mit der eben auf dieses Genre ausgerichteten Prägung des Zuschauers spielen. Was ich mir gewünscht hätte, war jedoch nicht die stetige Wiederholung bereits bekannter Bilder gewesen, sondern ein Überraschungseffekt, der in den Köpfen der Zuschauer neue Verknüpfungen und somit auch neue Reaktionen ausgelöst hätte. Ein Königreich für den Konjunktiv II…

Die individuelle Angst vor dem Untergang, die Hauptfigur Curtis zeigt, steht allegorisch für die Angst der USA vor dem Ende, für die Panik davor, ausgeliefert zu sein, sich nicht wehren zu können. Und wehrhaft zu sein, das ist in den USA bekanntermaßen ein zutiefst im Selbstverständnis verankertes Gut. Mit allen Folgen, die dies für Waffenrecht und Kriegsführung hat… Dieser Film also ein Blick in die amerikanische Seele?

Kurz: „Take Shelter“ ist ein vorhersehbarer Film mit „abgelutschter“ Symbolik. Wem es gefällt, bitteschön, der eine isst ja bekanntlich lieber den Käse, der andere das Papier. Für mich war es eher ein Film zum Weglaufen…

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“Panem et circenses” meets “Truman Show” and “Lord of the Flies”

Vor wenigen Tagen ist der Film “The Hunger Games” (in der deutschen Version: “Die Tribute von Panem”) in den hiesigen Kinos angelaufen… Und wir ließen uns natürlich nicht lange bitten…

Ich möchte Euch hier gar nicht mit einer Inhaltsangabe langweilen (gesundes Halbwissen könnt Ihr Euch ja schließlich auch bei Wikipedia anlesen).

Tja, ich gebe es zu, ich war skeptisch, bevor wir uns den Film anschauten – die Trailer, die den geneigten Kinobesuchern schon seit Monaten immer wieder begegneten, sahen sehr effektheischend, aber auch nicht unspannend aus, wenngleich auch ein wenig strange… Gehört hatte ich von den der Handlung zugrunde liegenden Büchern noch nicht – im Prinzip hatte ich gar keine Ahnung, worauf ich mich einließ, da ich vorher ja selten nachlese, worum es in mir unbekannten Filmen geht, damit ich mich in meiner Meinung nicht schon vorab manipulieren lasse.
Aber: Ich war positiv überrascht – crazy Story, aber gut umgesetzt, fähige Schauspieler…

Inhaltlich erinnerte der Film an eine Mischung aus “Panem et circenses” aus dem Alten Rom, unsäglichen “Big Brother”-Formaten und William Goldings “Lord of the Flies”, das ich auch mal wieder lesen könnte: Kinder bzw. Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren aus verschiedenen Distrikten des Landes Panem, einer Art Post-Katastrophen-Staat in Nordamerika, werden im Rahmen einer Show ausgewählt, an den “Hunger Games” teilzunehmen, bei denen sie sich so lange in der Wildnis bekämpfen müssen, bis nur noch einer lebt… Ich sag es ja, seltsamer Plot, aber durchaus mit Bezug zu unserer Zeit und ihren teils geschmacklosen medialen Auswüchsen sowie politisch nicht uninteressanten Allusionen… Nicht zu vergessen: Der Auftritt von Lenny Kravitz, den wir im Film erst gar nicht erkannten. Naja, aber der Mann wird ja auch schon 50, selbst wenn man noch sein Bild aus den 80ern und 90ern vor Augen hat. Aber ich schweife ab – zurück zum Film…

Was im Film natürlich nicht ausbleibt, ist die unvermeidliche Love Story (hey, es ist ja immerhin ein US-amerikanischer Film…), auf die ich ja in Filmen prinzipiell verzichten könnte, aber hier in diesem Kontext macht sie durchaus Sinn.

Mehr möchte ich aber auch nicht verraten – mir hat der Film gefallen. Erwartet nichts (zu) Anspruchsvolles (immerhin ist es ein Hollywood-Film und daher ja doch schön auf den Mainstream ausgerichtet), aber wenn Ihr ein wenig Phantasie und Berieselungsbereitschaft mitbringt, dann schaut ihn Euch an. Der Berliner würde sagen: “Da kann man nicht meckern…”

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Ein Elfchen…

Nachdem ich am Samstag in einem völlig anderen Kontext lernen durfte, was ein Elfchen ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Elfchen), habe ich mal unter den drei Nebenbedingungen

1. Ich muss arbeiten.
2. Die Sonne scheint.
3. Frühlingsgefühle

versucht, eines zu basteln. Literarisch nicht gerade wertvoll, aber ganz niedlich für den ersten Versuch… ;-):

Hell
Die Sonne
Keine Wolken vorhanden
Ich will nach draußen
Sofort

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Neuer Präsident, neues Glück

Nachdem das unsägliche Wulff-Theater nun Gott sei Dank beendet ist (und ich mich sehr zurückhalten musste, um nicht jeden Tag darüber zu bloggen), haben wir seit gestern einen neuen Bundespräsidenten – und zwar einen, den wir viel früher bereits hätten haben können.

Ich vermag Herrn Gauck nicht einzuschätzen, jedoch macht er auf mich einen weitaus sympathischeren und präsidentableren Eindruck, als es Wulff je geschafft hat.
Er kann reden (ok, er macht es auch sehr gerne – und infolgedessen vielleicht auch manchmal ein wenig zu viel… Man wird sehen, wie sich das entwickelt), er ist gebildet, er blickt über den eigenen Tellerrand hinaus, er hat keine Frau an seiner Seite, die sich (und ihn) qua seiner Position definiert, und er ist nicht der typische Parteipolitiker, sondern findet Anerkennung über Parteigrenzen hinweg.

Die Medien beginnen jedoch, sich schon jetzt wieder auf ihn einzuschießen, und das stört ganz gewaltig. Zumindest in meiner kleinen Welt, in der jeder Mensch Fehler macht und vor allem auch machen darf, solange er die Konsequenzen (in welcher Form auch immmer) trägt… Es sollte möglich sein, den neuen Präsidenten zu respektieren, ohne ihn an den Fehlern und Machenschaften seines absolut unwürdigen Vorgängers zu messen.

Gewiss, wir leiden inzwischen unter einem kleinen Präsidenten-Trauma, das wir Herrn Wulff und seinen “Freunden” zu verdanken haben, aber es ist schlicht und ergreifend nicht fair, all dieses sofort auf Joachim Gauck zu projizieren.
Wulff kann und darf kein Benchmark für Gauck sein – weder in positiver noch in negativer Hinsicht.
Gauck startet bei Null.

Gebt dem Mann eine Chance. Er hat sie verdient.

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