Alt-68er meet gestresste Studis

Das Phänomen der hohen bzw. steigenden Mieten hat inzwischen ja auch die vormals mietmäßig privilegierte Hauptstadt erreicht. Nun kann auch der gemeine Berliner verstehen, was Münchner, Kölner und Frankfurter schon seit langem erleiden, wenn sie denn auf Wohnungssuche gehen.
Dies sind die Rahmenbedingungen im aktuellen Kinofilm “Wir sind die Neuen”.
Dieser Film spielt jedoch in der traditionellen Hauptstadt des Mietwuchers: München.

Aus Kostengründen sieht sich die Biologin Anne gezwungen, sich nach Alternativen zu einer eigenen Wohnung umzuschauen, und hat die Idee, ihre alte WG aus Studentenzeiten zusammenzutrommeln. Die zwei ehemaligen Mitbewohner Eddie und Johannes willigen ein und zu dritt wird alsbald eine Altbauwohnung angemietet. Zu den Nachbarn zählen unter anderem drei Studenten, die mitten in der Prüfungsphase stecken.

Während die ältere Generation den Abend gerne wie früher bei einem Glas Rotwein (oder zweien oder dreien) und lautstarken Diskussionen ausklingen lässt, trauen sich die Prüfungsgeplagten ob der anstehenden Prüfungstermine kaum, den Schreibtisch zu verlassen.
Ein Clash of Generations nimmt seinen Lauf…

Ein sehr plakativer Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß macht, was sicherlich auch dem Fakt zu verdanken ist, dass die Situationen durchaus auch dem eigenenen Leben entstammen könnten – wenn auch natürlich nicht in dieser überspitzten Form. Gepfefferte Dialoge unterstützen dies.
Allerdings: Wer in diesem Film Tiefgang erwartet oder gar eine Analyse des Konflikts, der wird enttäuscht. Der Film kratzt die Thematik des Generationenkonflikts nur an der Oberfläche, was dem Ganzen die Ernsthaftigkeit nimmt. Ich wiederum fand genau dies gut: Es ist ein angenehmer Film, um nach einer anstrengenden Woche vollends abschalten zu können – er eignet sich aber nicht als Grundlage für eine sozialkritische Diskussion. Das war aber wohl auch nicht das Ziel.

Daher aus meiner Perspektive: Empfehlenswert!

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“O Captain! My Captain!”

Ich bin traurig.

Wieder ist ein Großer gegangen. Wieder durch Selbstmord – oder sollte ich es lieber Freitod nennen… Er hat sich aktiv entschieden, diese Welt zu verlassen – die Polizei schließt inzwischen Fremdverschulden aus. Schwere Depressionen, Alkohol, Kokain – es scheint viele Gründe, natürlich auch auf dramatische Art miteinander verwoben, für diesen finalen Entschluss zu geben. Gestern Morgen im Radio habe ich es gehört. Vor der Arbeit. Der erste Schock des Tages.

Robin Williams.

Dieser Name ist für mich als Kind der 80er und 90er Jahre eng verknüpft mit dem Film “Dead Poets Society”, der einer der ersten “Erwachsenen-Filme” war, die ich wirklich bewusst gesehen habe (abgesehen vom Bud-Spencer- und Terence-Hill-Klamauk). Für mich war er damals eine Art “Erweckungsfilm”, was meine Liebe zur Literatur betraf, und hatte daher weitreichende positive Folgen für mich.

Williams war ein Garant für herausragende Filme und auch dafür, das Kino mit einem Lächeln zu verlassen – sei es, weil er einem schlicht zu guter Laune und zu neuer Energie verhalf. Oder auch, weil er dem Zuschauer eine gewisse Zuversicht in sich selbst, in die eigenen Fähigkeiten und in die Zukunft vermittelte.

Zuversicht. Das ist das Stichwort. Genau diese fehlte ihm selbst aber wohl seit langem.

Nach außen lächelte er, erledigte seinen Job, der für ihn mehr Berufung als Beruf war, stets genial und auf unvergleichliche Weise – auch weil er wirklich mit überragenden Talenten ausgestattet war. Man verzeih mir, dass ich fast das Wort “outstanding” geschrieben hätte, aber der englische Begriff benennt das, was Robin Williams an Begabung innehatte, noch am besten.

Nach innen jedoch war er einsam, allein, ohne Hoffnung. Wohl war es in Filmkreisen auch bekannt, dass Williams arge Probleme hatte. Aber explizit verhindert wurde nicht, dass das Drama seines Lebens einen irreversiblen Höhepunkt nahm.

“Dead Poets Society”, “Mrs Doubtfire”, “Good Will Hunting” (hier erhielt er einen Oscar für die beste Nebenrolle), um nur einige der Werke zu nennen, in denen er entscheidend mitwirkte.

“O Captain! My Captain” – dieser Ausruf aus “Dead Poets Society” ist hängengeblieben in meinem kleinen Kopf, seit ich den Film vor mehr als 20 Jahren das erste Mal sah. Der Captain hat das Schiff verlassen. Ich werde mir den Film zeitnah noch einmal ansehen, um nicht zu vergessen.

Barack Obama sagte gestern zum Tode von Robin Williams: “He made us laugh. He made us cry.” (Quelle: http://www.whitehouse.gov/blog/2014/08/11/president-obama-passing-robin-williams-he-was-one-kind)

Ich kann gerade nicht in Worte fassen, was ich fühle.

Ich bin traurig.

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“Allons enfants de la patrie, le jour de gloire est arrivé…”

Vor wenigen Tagen war ich mal wieder im Kino. Gesehen habe ich den wunderbaren Film “Monsieur Claude und seine Töchter”, den ich absolut empfehlen kann.

Der Plot ist kurz erzählt: Monsieur Claude und seine Frau haben vier Töchter. Nachdem bereits drei der vier Frauen Männer mit Migrationshintergrund (Israel, Marokko, China), wie es auf Neudeutsch heißt, geheiratet haben, liegt die “Hoffnung” des Gaullisten auf Tochter Nummer 4, nun endlich einen “richtigen” Franzosen zu ehelichen.
Töchterchen 4 verliebt sich zwar in einen Katholiken mit einem französischen Namen, was den Vater durchaus beruhigt – der Freund bzw. Verlobte der Tochter heißt Charles. Aber ein kleines Detail “vergisst” Töchterchen 4, seinen Eltern zu berichten: Der junge Mann stammt aus Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, und hat eine schwarze Hautfarbe.
Der Familienfrieden steht auf der Kippe.
Das Ganze spitzt sich zu, als sich zeigt, dass auch der Vater von Charles alles andere als begeistert ist, dass sein einziger Sohn eine weiße Französin heiraten möchte.

Im Film des französischen Regisseurs Philippe de Chauveron entspannt sich ein fröhliches Potpourri an Klischees und Vorurteilen, die natürlich alle mit einem gewaltigen Augenzwinkern auf die Leinwand gebracht werden. So wird zum Beispiel die Beschneidung des ersten Enkels zu einem unvergesslichen Erlebnis für die ganze Familie, an der auch der Hund der Familie nicht unwesentlich unbeteiligt ist…
Ebenfalls interessant zu beobachten ist der Konflikt zwischen Juden und Muslimen im Kleinformat, der bei jedem Familientreffen am Esstisch aufflammt.
Wunderbar ist die Szene, in der die drei Schwiegersöhne vor ihrem Schwiegervater lauthals die Marseillaise intonieren.

Wie schon der Film “Ziemlich beste Freunde”, der vor einigen Jahren Europas Kinogänger begeisterte, so ist auch dieser Film mit teilweise doch extrem schwarzen Humor und Sprüchen partiell an der Grenze des guten Geschmacks gespickt.
Er rüttelt wach und zeigt dem Zuschauer auf, dass kulturelle Unterschiede das Zusammenleben zwar nicht gerade vereinfachen, dass aber innere Offenheit und Unvoreingenommenheit potentiell dazu beitragen können, das eigene Leben durch das Nutzen der besten Elemente verschiedener Kulturen zu bereichen.

Absolute Empfehlung meinerseits! Schaut ihn euch an!

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Typisch Berlin… :-)

Ich hatte gestern Abend mal wieder ein typisches Berlin-Erlebnis… Ich hatte mich mit Freunden in Friedrichshain getroffen und bin danach mit der U-Bahnlinie 1 wieder zurück ins heimische Kreuzberg gefahren.

Ein Mann mit Gitarre stieg zu und begann, Oasis-Songs zu spielen, u.a. “Wonderwall”, ein Song, den ich in den Neunzigern zeitweise auch in der Endlosschleife gehört habe… Bis hierhin war alles noch normal, keine Auffälligkeiten.

Aber dann begann es… Zwei Passagiere fingen an mitzusingen, zwei weitere setzten ein, bis am Ende der komplette U-Bahn-Wagen leidenschaftlich “Wonderwall” schmetterte – alle mit einem glücklich-beseelten Lächeln im Gesicht (und scheinbar in musikalischen Erinnerungen schwelgend).

Und das nachts um 0:30…

“Hoch auf dem gelben Wagen” (immerhin ist die Berliner U-Bahn ja auch gelb und fährt überirdisch) mal anders! Gotthilf Fischer hätte seine wahre Freude gehabt…

P.S.: Ich muss noch hinzufügen, dass ich auf dem Weg von der U-Bahn zu mir nach Hause natürlich weiter gesungen habe…

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“Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin… Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin”

Berlin-Filme haben ja derzeit Hochkonjunktur. Nach dem “Oh boy”-Hype der letzten Wochen (darüber werde ich später auch noch berichten) nun also “Puppe, Icke und der Dicke”. Ein durchaus kreativer Titel – spiegelt sich das auch im Film wieder?

Noch wenige Stunden vor dem Kinobesuch hatte ich nichts, aber auch rein gar nichts, von diesem Streifen gehört, bis eine Freundin den Film vorschlug. Da ich ja experimentierfreudig bin, habe ich ihn mir natürlich angeschaut und zwar im Sputnik-Kino über den Dächern von Berlin-Kreuzberg, einem der leider aussterbenden Independent-Kinos.

Im Mittelpunkt der Story stehen drei Personen – jede einzelne auf ihre Art mit einem Handicap belastet, das jeder von ihnen auf eine unterschiedliche Art zu bewältigen versucht. Der kleinwüchsige Tobi besticht durch seine große Schnauze, der stumme Bruno durch seine Gutmütigkeit und die blinde Europe durch unglaublichen Charme. Ihre Wege kreuzen sich und sie machen sich gemeinsam in Richtung Berlin auf. “Du kannst nüscht. Du machst nüscht. Fahr nach Berlin!” – so sieht der Urberliner Tobi die Situation. Die blinde Französin Europe trägt noch ein weiteres Päckchen mit sich: Sie ist schwanger, der Vater des Kindes ist ein Berliner. Das einzige, was sie vom Kindsvater weiß, ist sein Name (den es in Berlin allerdings wie Sand am Meer gibt) sowie sein Job. Sie will ihn finden und der Trostlosigkeit ihres bisherigen Lebens entfliehen.
Ein interessanter Film, ein wenig anders als alles, was man bisher kennt, aber durchaus empfehlenswert – eine skurrile Geschichte, die sich als Liebeserklärung an Berlin lesen lässt, sofern man dies denn möchte.

Wie wir ja auch im Film “Oh boy” gelernt haben, ist der Berliner als solcher eine Person, die man gemeinhin auch als Loser bezeichnen könnte. Zumindest ist das der Eindruck, den der Zuschauer bei diesen beiden Filmen bekommt. Nun gut. Ich lebe seit fast 10 Jahren im dicken B, fühle demnach als Berliner (auch wenn ich per definitionem noch lange keiner bin), kann aber durchaus nachempfinden und sehen, dass in Berlin unter anderem auch Personen ihr Dasein fristen, die woanders längst durch das Normalitätssieb gerutscht sind oder wären… Aber ist das nicht das Schöne an dieser Stadt? Dass auch Menschen eine Daseinsberechtigung haben, die ihnen in anderen Teilen der Republik vielleicht schon längst abgesprochen worden wäre? In Berlin kann jeder sein, wie er will oder eben ist – außer einem Achselzucken (und manchmal auch einem deftigen Spruch, der aber meist nicht so hart gemeint ist, wie er klingt) wird nicht viel passieren. Leben und leben lassen.

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Fragen, keine Antworten, aber Verwirrung: Der Fall Breivik

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie man einen Artikel über Anders Behring Breivik sinnvoll einleiten kann… Aber ein paar Gedanken möchte ich hier loswerden.

Gestern begann er nämlich, der Prozess gegen den Mann, der im letzten Jahr 77 Menschen tötete und unzählige weitere verletzte. Und die Welt war dank (?) fleißiger Medienberichterstattung zumindest gestern live dabei. Sein martialischer, rechts angehauchter Gruß, seine Aussage, er erkenne das Gericht nicht – alles drang ungefiltert durch bis in unser Wohnzimmer. Schwer erträglich ist das feiste Grinsen dieses Massenmörders, der zwar noch nicht rechtsgültig verurteilt ist, aber seine Taten unumwunden zugibt. Wenn auch mit dem Nachsatz versehen, dass er bedauere, nicht noch mehr Menschen getötet zu haben… Unerträglich auch, dass er kaum eine Miene verzieht – nur in dem Moment, in dem sein Propagandavideo vorgeführt wird, bricht er in Tränen aus. Vor Rührung über sein eigenes Machwerk?
Sollte man ihm überhaupt eine noch größere Plattform bieten als ohnehin schon? Sollte man den Prozess nicht stattfinden lassen, ohne dass nur ein Wort über Breivik geschrieben wird? Sollte man? Oder ist das nur eine schöne Wunschvorstellung, da so eine Art der Handhabung eines Prozesses um einen Massenmörder leider nicht umsetzbar ist?

Ich weiß nicht, was ich denken soll: Ist er psychisch krank, lebt in seiner eigenen Welt und ist somit unzurechnungsfähig? Oder ist er ein eiskalter Mörder, der ganz genau weiß, was er da tat? Die akribische Planung und die Verfassung seines Manifests machen die erste Möglichkeit zumindest in den Augen von uns psychologischen Laien unwahrscheinlich.

In welchem der beiden Fälle wäre die Sicherheit der Öffentlichkeit durch die entsprechende Strafe eher gewährleistet? Und (last but not least): Was wäre für den norwegischen Staat kostenoptimal?

Was macht einen Menschen zu einem Mörder? Ist es tatsächlich die schwere Kindheit? Hat man es nicht – ungeachtet schlimmer Erfahrungen, die jeder von uns im Laufe seines Lebens sammelt – immer noch selbst in der Hand, wie man handelt? Oder gehört eine gewisse erbliche Prädisposition dazu?
Es ist die alte Debatte: Anlage oder Umwelt? Oder doch die freie Entscheidung?

Über die Höhe der Strafe scheiden sich die Geister. Einer der Laienrichter wurde heute wegen Befangenheit aus dem Prozess ausgeschlossen, da er sich im Internet für die Todesstrafe im Falle Breivik ausgesprochen hat. Ungeachtet des Faktes, dass Norwegen die Todesstrafe bereits 1902 abgeschafft hat, ist es meiner Meinung nach indiskutabel, eine solche Strafe überhaupt als Möglichkeit heranzuziehen. Damit würde man sich nur auf das Niveau begeben, auf dem der Täter gehandelt hat – und das kann und darf in einem Rechtsstaat einfach nicht der Fall sein. Auch wenn die Volksseele kocht und sich insgeheim sicherlich die meisten eine Art Hinrichtung wünschen würden, vor allem diejenigen, die Freunde oder Angehörige durch die Massaker verloren.

Nach einer solchen Tat fällt eine rein rationale Analyse schwer – zu unerklärlich sind die Gedanken, die einen Massenmörder antreiben.

Fragen über Fragen, auf die Antworten fehlen. Was bleibt, ist Verwirrung.

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„…und der daraufsaß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben, zu töten das vierte Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden…“ (Offb 6,8)

Als wir vor kurzem ein paar Tage in Barcelona verbrachten, da kamen wir natürlich nicht umhin, auch dort ins Kino zu gehen… Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für “Take Shelter”, einen Film, dessen Trailer wir in Deutschland bereits mehrfach gesehen hatten. Es handelt sich um ein US-amerikanisches Werk, eine Art Mix aus Drama und Horrorfilm – so hatten wir zumindest den Trailer verstanden.

Der Film handelt vom amerikanischen Familienvater Curtis, der seltsame apokalyptische Träume hat, die ihn dazu bewegen, einen Bunker für seine Frau und die kleine Tochter zu bauen. Da seine Mutter an Schizophrenie erkrankt ist, schließt er aber dieses als Grund für seine Träume ebenfalls nicht aus. Die Zeit vergeht, die Visionen nehmen nicht ab – am Ende kommt es, wie es kommen musste. Mehr möchte ich an dieser Stelle zum Plot nicht verraten. Denn: Wie auch schon bei anderen Rezensionen will ich auch hier keine Inhaltsangabe liefern, das lest mal lieber auf anderen Websites nach.

Vorweg möchte ich schicken, dass ich es prinzipiell gut verstehen kann, wenn man in der amerikanischen Provinz von derartigen Visionen heimgesucht wird. Viel passiert dort ja nicht – und wenn man nun eine ausgeprägte Phantasie hat und zudem zu Träumereien neigt, dann halte ich es für nicht wirklich sonderbar, dass man gedanklich auf Abwege gerät. Wer die amerikanische Provinz kennt (oder auch die deutsche) und das Vergnügen hatte, dort Zeit zu verbringen, kann dieses sicherlich nachvollziehen. Zumal dann, wenn man eine gewisse religiöse Neigung vorzuweisen hat…

Der Film spielt mit biblischer Symbolik – in Curtis‘ Visionen fallen z.B. tote Vögel vom Himmel… Im Grunde habe ich nur noch auf den Auftritt der vier apokalyptischen Reiter gewartet – dann wäre die Offenbarung des Johannes mehr oder weniger vollständig gewesen.

Die Bilder und Szenen, die uns der Film bietet, sind nicht neu – man hat sie alle schon mehrfach gesehen. Der Untergang des Abendlandes wird in genau den Farben gezeichnet und auch mit der Musik akustisch untermalt, die dem Zuschauer in eigentlich jedem Film über den Niedergang begegnen. Das Leitmotiv ist unverkennbar und begleitet uns von der ersten bis zur letzten Minute – geradezu hypnotisch.

Der Untergang der Welt? Der Untergang der USA? Die Angst hiervor wird dem Zuschauer unentwegt vor Augen geführt, wenn auch meiner Meinung nach mit Mitteln, die lediglich mit der Wiedererkennung und mit der eben auf dieses Genre ausgerichteten Prägung des Zuschauers spielen. Was ich mir gewünscht hätte, war jedoch nicht die stetige Wiederholung bereits bekannter Bilder gewesen, sondern ein Überraschungseffekt, der in den Köpfen der Zuschauer neue Verknüpfungen und somit auch neue Reaktionen ausgelöst hätte. Ein Königreich für den Konjunktiv II…

Die individuelle Angst vor dem Untergang, die Hauptfigur Curtis zeigt, steht allegorisch für die Angst der USA vor dem Ende, für die Panik davor, ausgeliefert zu sein, sich nicht wehren zu können. Und wehrhaft zu sein, das ist in den USA bekanntermaßen ein zutiefst im Selbstverständnis verankertes Gut. Mit allen Folgen, die dies für Waffenrecht und Kriegsführung hat… Dieser Film also ein Blick in die amerikanische Seele?

Kurz: „Take Shelter“ ist ein vorhersehbarer Film mit „abgelutschter“ Symbolik. Wem es gefällt, bitteschön, der eine isst ja bekanntlich lieber den Käse, der andere das Papier. Für mich war es eher ein Film zum Weglaufen…

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